Ferientagebuch Kanada - USA 2006

von Karin Houriet & Thomas Friedli, erlebt vom 22. August bis 6. November 2006

31. August 2006

 

Nach einem amerikanischen Frühstück im Flughafenhotel mit sowas wie Rösti, Spiegeleier, Toast, Konfiture gehts nach elf Uhr los. Vom Shuttelbus werden wir beim Hotel (von einem Schweizer) abgeholt. Dieser instruiert uns über unseren Camper.

Währenddem Thomas den Papierkram erledigt, habe ich den Job gefasst, das Gepäck in den Camper zu verladen. Danach gehts in den Veloshop nebenan, wo wir vor rund einer Woche Velos ausgesucht hatten, die nun auf uns warten. Alles läuft reibungslos und schon bald sitzen wir im Camper und fahren nun wieder der amerikanischen Grenze entgegen, um den Larrabee State Park aufzusuchen, in der hoffnung unser Zelt sei noch dort! Und zwar mit Inhalt!

Ja, es ist alles noch da, so wie gestern verlassen! So laden wir unsere Drahtesel vom Camper und machen eine kleine Velofahrt um die Umgebung auszukundschaften. Ich bin Thomas doch noch eine Revanche schuldig! So schlage ich ihm vor, das Zelt samt Material in den Camper zu verladen und auszupacken, sowie beginnen mit dem zubereiten des Abendessens, währenddem er noch ein wenig fotographieren kann. Nach dem Abendessen ist das Licht eh nicht mehr so geeignet zum fotographieren...Und der Camper räumt siche besser von einer Person ein als von zwei, die sich auf den Füssen stehen...

Inzwischen sitzen wir im Camper, haben draussen zu Abend gegessen. Die Temperaturen draussen sind abends gerade noch genügend warm, um dort Zeit zu verbringen.

Für morgen wird der Wecker gestellt. Wegen eines Feiertages sind die Campingplätze ausgebucht. So peilen wir morgen einen an, in aller Frühe, bei welchem nicht reseviert werden kann. Wer zuerst kommt, bekommt zuerst den Platz... Gehen wir schlafen und versuchen morgen unser Glück!

 

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1. September 2006

 

Um 6 Uhr in der früh reisst mich der Wecker aus dem Tiefschlaf. Thomas natürlich auch...ich kämpfe noch während der Fahrt gegen schwere Augendeckel an. Die erste Nacht im Camper war echt erholsam - nur stand dieser ein wenig schräg, so dass unsere Köpfe leicht tiefer, unsere Beine leicht hochgelagert waren. Dies kommunizierten wir beide einander erst diesen Morgen als Störfaktor der letzten Nacht.


Brücke in Marblemount über den Skagit River.

Nun gings also los in Richtung Osten. Wir peilten den Campingplatz Rockport an, entschlossen uns dann doch noch ein Stückchen weiter zu fahren, da wir ja noch fast alleine auf der Strasse waren und so der Ansturm auf einem Campingplatz von uns als niederig eingestuft wurde. Im Newhalem Campground beim North Cascades Nationalpark versuchten wir dann unser Glück und es klappte sofort. Zwischen etlichen Plätzen konnten wir auswählen.


Am Skagit River.

Der Nachmittag wurde mit auspacken verbracht und einen Ersteindruck dieses Ortes gewinnen. Die Velos wurden sofort gebraucht. Der Campground Newhalem liegt inmitten eines grossen Nadelwaldes. Mit viel Buschwerk und Farnen. Die ersten Tiere die wir erblickten waren Streifenhörnchen in grosser Menge.

Das Informationsbüro dieses Nationalparkes gab uns aber in dieser Umgebung nur sehr kurze Wandervorschläge ab. Von 400 feet beginnend....2km...und dann doch noch einen mit sagenhaften 16km! Den nehmen wir uns vor!

Kaum mit dem Camper hier angekommen, geht's los... Die Anfahrt bewältigen wir mit den Bikes. Der Anstieg ist massiv und wir sehen nach einer Stunde Velofahrt ein, dass die Zeit zu knapp ist bis abends - wenn dann noch die 16km Wanderung gemacht werden will...


Für einmal "muss" Thomas kochen.

Es folgt eine holperige Abfahrt auf dem schlaglochreichen Kiesweg aber wunderschön verlaufend durch den Wald. Wieder zurück auf höhe des Campgrounds geht's nun weiter mit den Bikes ostwärts bis zum Fusse des George Lakes - ein Stausee. Dort legen wir eine Pause ein und haben nun das Gefühl, unser Bewegungssoll f ür heute erreicht zu haben. Die Distanzen sind hier sehr schwer einzuschätzen, da auf den Karten die vom Nationalpark abgegeben werden, keinerlei Masstäbe angegeben sind. Es folgt ein gemütlicher Abend unter anderem mit wohlverdienten Käsespätzli.

Die heutige versuchte Wanderung knöpfen wir uns für Morgen vor!

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2. September

 

Herrlich haben wir wiederum geschlafen, dieses mal auf ausgeglichenem Niveau. Voller Tatendrang stehen wir auf, frühstücken und schon bald gehts los. Heute wissen wir in etwa was uns erwartet - einen kleinen Vorgeschmack hatten wir ja schon gestern. Die ersten 15 Minuten fahren wir auf dem Highway 20 - wir befinden uns ca 150 m.ü.m. Danach kommt eine Abzweigung nach rechts auf einen Kiesweg. Von hier an gehts aufwärts, aufwärts, aufwärts. Das kürzlich bewältigte Stilfserjoch können wir nicht mehr wirklich ernst nehmen. Die Schlaglöcher von den wohl unzähligen Autos die bei der Aufwärtsfahrt mit den Rädern "durchdrehten", erleichtern uns den Anstieg nicht. Keine Ahnung wieviel Prozent die Steigung sein mag. Es ist jedenfalls unmöglich, hat man das Gleichgewicht verloren, wieder anzufahren. Ein Kanadier, der uns unterwegs mit dem Auto spulend überholt, gratuliert uns zu unserer bishergen Leistung und wir wünschen ihm für die Weiterfahrt mit seinem Auto viel Glück. Der Weg ist wunderschön und führt uns durch Nadelwald. Bären haben wir inzwischen keinen mehr gesehen, das Wetter ist wie bis jetzt jeden Tag (ausser der kurzen Sequenz auf dem Weg nach Seattle) strahlend sonnig, mit wolkenlos blauem Himmel.


Es gab auch einmal ein kurzes Flachstück.

Der Anstieg geht weiter und wir erreichen den Punkt, wo wir gestern gewendet haben und stellen fest: 10min schneller als gestern! ;-) Nach einer gesamthaft 2 stündigen Velofahrt kommen wir auf einem Kiesplatz an, wo's nun zu Fuss weiter geht. Ein schmaler Pfad führt uns durch Wald mit dicht bemoostem Boden, über Bäche und Bächlein, auch ein saftiger Anstieg beglückt uns beim wandern. Auf einem ebeneren Stück begegnen wir noch einer "Sippe" Rebhühner, die uns glucksend den Weg frei machen.


Flach ging es vorerst auf dem Wanderweg weiter.

Nach schweisstreibenden 3 Stunden haben wir unser Ziel vor Augen. Die Thornton Lakes! Drei Bergseen hintereinander - der Vorderste liegt ca 200 Meter unter uns. Dunkelbalues Wasser, an der Ufrzone sieht man von hier bis auf den Grund und er leuchtet zwischen den Tannen. Wir haben's geschafft und sind nun auf ca. 1500 m.ü.m.

Es würde ein Abstieg von ca 200 Meter zu diesem Lake folgen, drängte uns nicht die Zeit und die mangelnde Flüssigkeit die wir bei uns haben zum Umkehren. Wir geniessen einen Moment die Aussicht auf den strahlend blauen See, den ich nie so riesig erwartet habe und halten eine Weile inne!


Menschen begegneten uns kaum, dafür Rebhühner.

Der Aufstieg hat sich aber auch kulinarisch ausbezahlt. Unzählige Heidelbeerstauden mit süssen, reifen Früchten säumen während einigen 100 Meter den Weg. Thomas versucht so seinen Blutzuckerspiegel wieder etwas in Ordnung zu bringen und beisst ins letzte Stückchen seines Riegels. Ich kann mich natürlich auch nicht zurückhalten bei den Beeren/ den Übelrebensriegel extra kalorienreich (Sportlernahrung ;-) ) überlasse ich gerne ihm! ;-).


Blick auf den vordersten der Thornten Lakes.

Es folgt wohl oder übel der Abstieg - gerne wären wir länger geblieben... Der Abstieg ist ein Kinderspiel. da er durch den Wald verläuft, ist der Boden weich und federt beim steil abwärtsgehen gut ab. Bereits nach 2 1/4 Stunden sind wir wieder bei den Velos angelangt und nach 40 Minuten Veloabfahrt auf Kiesweg über Schlaglöcher, erreichen wir den Campground - diese Strecke, die wir in 2h hinaufgestissen sind. Nun folgt noch eine Ehrenrunde (5min.) Es zieht uns zum Getränkeautomat beim nahegelegenen Laden, wo wir uns eine kühle Cola gönnen.

Nach einer Dusche, einem Abendessen, gehts' an einen Infoabend von einem Ranger des North Cascades Nationalparkes, der uns einiges Neues verklickert und mir einen Englischkurs gibt...Thomas steht mir bei Unklarheiten dolmetschend zur Seite. 318 Gletscher soll es in diesem Park geben, Streifenhörnchen gäbe es hier zwei Arten, Farne könne man essen - jede Sorte, Grizzlys gäbe es in diesem Park etwa sieben bis acht Stück und Schwarzbären gäbe es haufenweise!- Wir haben heute keinen gesehen - nur Bärendreck.

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3. September 2006

 

Ich habe meinen Willen durchgebracht und wir machen einen ruhigen Tag. Ein Tag Pause und morgen bin ich wieder voll fit. Ich bemerke beim Aufstehen zwar keinerlei Muskelkater, doch freue ich mich auf einen ruhigeren Tag. Das Wetter ist auch heute wieder sonnig, blauer Himmel, nur sehr, sehr dunstig. Die Vegetation hier scheint mir übrigens etwas hinterher zu hinken. Der Herbst ist hier noch kaum zu sehen. Fast keine verfärbten Blätter - grün, grün, grün!

Der Tag wird mit lesen, Hängematte ausprobieren, kochen, spazieren im Wald und dem nahegelegenen "Skagit River" entlang, einkaufen im nahegelegenen Supermarkt,... der praktisch nur aus Fertigprodukten besteht, so dass wir mit ein paar Flaschen Limonaden und Plätzli wieder den Markt verlassen und auf einen bald reichhaltigeren auf unserer Reise hoffen.


Schliesslich haben wir Ferien!

Streifenhörnchen leisteten uns auch heute wieder rege Gesellschaft - wir sahen beiderlei Sorten, doch ein Bärenbesuch war auch heute nicht auf dem Programm.

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4. September 2006

 


Quasi auf der anderen Flussseite ist es bereits sehr trocken und nicht mehr so typisch grün.

Wir machen uns auf und dislozieren uns heute vom Newhalem Campground in den Colonial Creek Campground, der auch beim North Cascades Nationalpark liegt - nur einige Kilometer weiter ins Landesinnere, östlich von Newhalem. Hier erwartet uns eine Vielfalt weiterer Wandermöglichkeiten.


Aussicht auf den Lake Diablo.

Das Wetter ist nachwievor traumhaft! Morgens war es leicht bewölkt und wir befürchteten, es würde zu regnen beginnen. Aber nun ist wiederum wolkenlos blauer Himmel mit warmen Temperaturen zu geniessen. Gegen Mittag angekommen, machen wir uns auf Auskundschaftstour. Eine kleine Wanderung von ca 2h Dauer genossen wir gleich nach Ankunft. Diese führte uns auf einen Hügel, wo die Sicht auf den Diablo Lake unter uns ausweitete. Die Sicht war wundervoll. Der See wiederum in einem knalligen Blau. Nur der Autolärm des Highway 20 empfand ich als störend. Aber um diesem auszuweichen, müssen längere Wanderungen durchgeführt werden - und so ist es schnell möglich, abgeschieden in der Stille zu geniessen im Grün...


Ein Mule Deer.

 

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5. September 2006

 

Heute um 6 Uhr heisst es aufstehen. Thomas reisst mich aus dem Tiefschlaf. Ist es ok. wenn wir nun aufstehen? Grummelnd ziehe ich mich an - ja heute steht wandern an, das Programm haben wir gestern Abend festgelegt, worauf ich mich natürlich sehr freue...wandern ist immer gut! :-) Nur möchte ich ein paar Minuten um wach zuwerden! Please! ;-)


Am Thunder Arm des Lake Diablo.

Es geht los, angezogen, auf der Toilette gewesen, fahren wir ca 8 Meilen auf dem Highway 20 ostwärts. Dort deponieren wir unsere Velos und schliessen diese gut ab. Zurück geht's mit dem Camper zum Campground Colonial Creek, wo wir herrlich geschlafen haben. Dort wird erst mal gefrühstückt und dann geht's los! Auf uns wartet eine 16 km Wanderung mit ca. 700 Höhenmetern. Sie führe durch den Wald und eine wundervolle Aussicht auf dem 4th of July Pass auf wunderschöne Gletscher, wird in der Wanderbeschreibung angepriesen.


Die Aussicht auf die Gletscher war dann doch etwas enttäuschend...

Das erste Stück folgt dem Thunder Arm des Diablo Lakes, worin Thomas gestern bei wirklich eisiger Temperatur für ein paar Pancakes zum Abendessen ins Wasser sprang... ;-) Der Weg führt höher und höher dem See entlang mit prächtiger Aussicht. Das Wetter macht wiederum voll mit... Dann biegt der "Wanderweg" ab und wir sind nun im Wald, der aus riesigen Nadelbäumen besteht und mit vielem Farn und Moos umzingelt ist. Stille herrscht. Kein Vogelgesang, kein Wild - nichts! Nach ca. zwei Stunden machen wir einen Rast, da der Weg sehr steil ansteigt. Ich teile mein Ertsaunen Thomas mit...So viel Wald und kein Tier - nichts zu hören. Schon macht sich ein Eichhörnchen bemerkbar mit seinem Urwaldschrei, den wir lange einem Vogel zuschrieben.


Dafür wurden wir wieder mit viel grün beliefert.

Nach ca. 3 Stunden sind wir auf dem 4th of July Pass angelangt - bzw. wir bemerken erst auf dem Abwärtsweg, dass es dieser wohl gewesen ist. Die Aussicht dort oben war wirklich wunderbar mit Sicht auf einen kleinen See /Tümpel, sowie auf Gletscher, wobei wir uns aus der Beschreibung mehr erhofft haben. Och wir sind doch flexibel...äussern zwar etwas Enttäuschung aber sonst ist es doch wirklich ganz schön hier!


Nicht immer war der Weg einfach zu finden!


Es wird langsam Herbst!

Der Weg führt uns weiter durch den Wald abwärts zum Bach, wo wir dann einige Zeit mehr oder weniger orientiert entlanglaufen. Ich habe das Gefühl, mich im Film Krokodile Dandee zu befinden - keine Krokodile, aber nach jeder Kurve/ nach jedem Gestrüpp gefasst auf eine Bärenbegegnung. Wir durchschreiten "Gestrüpp" von Kniehoch bis Schulterhoch...bis Mannshoch...kraxeln Böschungen entlang, weil der Weg gerade eine anderen Weg geht.../ oder wir?! Thomas sein glorreiches GPS leistet auch hervorragende Dienste--> nach einer Linkskurve entfernen wir uns Meter um Meter um Kilometer vom Ziel...in einer Rechtskurve kommen wir dem wieder näher.


Zuerst waren die Übergänge noch harmlos...

Den Weg haben wir dann doch wieder gefunden - wussten nur längere Zeit nicht, obs denn auch der richtige ist. Die Wanderung war aber wirklich abenteuerlich und wunderschön! Bären haben wir wiederum keinen angetroffen - ist vielleicht auch besser so. ;-) Wobei wir vor ein paar Tagen in einer Broschüre des Nationalparkes lasen, dass Bären die Spur eines Menschen bis zu 14 Stunden nachher verfolgen können und dass es seit bestehen dieses Nationalparkes (1968) kein Mensch durch einen Bären überfallen wurde.


... doch dann wurde es langsam abenteuerlich!

Wir haben das Ziel erreicht, befnden uns nun oberhalb des Baches Diablo bei unseren Velos! Nach einem kurzen Aufstieg erfolgt eine 8 Meilen lange Abfahrt erhöht dem Ross Lake entlang bis zum Campingplatz Colonial Creek. Starker Gegenwind sorgt dafür, dass wir auch wirklich etwas von dieser Abfahrt haben und sie nicht zu schnell genossen wird. ;-) Es folgt nun noch eine zweite Übernachtung auf dem Colonial Creek Campground, so dass wir mit den Übernachtungen im Campground Newhalem 5 Nächte hier beim North Cascades Nationalpark verweilten und riesig genossen! Morgen soll es nun aber ein Stückchen weiter gehen mit dem Camper - ostwärts.


Und hier wäre die Brücke früher gewesen.

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