Ferientagebuch Kanada - USA 2006

von Karin Houriet & Thomas Friedli, erlebt vom 22. August bis 6. November 2006

23. September 2006

Für heute war bewölkt gemeldet, so planten wir gestern Abend noch nichts für den heutigen Tag. Wir sahen noch halbverschlafen nach draussen...blauer Himmel mit ein paar kleinen weissen Wölkchen, die bald eher zur Dekoration am Himmel "hingen"! Auf, auf! So wurde bald mit der Karte ein spontanes Programm zurechtgerückt. Wir schwangen uns wieder mal auf unsere Drahtesel, ausgerüstet mit Tee und Kleinigkeiten gegen knurrende Mägen. Bei der Jackson Lake Junction - auf der gegenüberliegenden Strassenseite, schlossen wir unsere Velos nach einer ca. 30 minütigen Velofahrt ab. Die Landschaft war hier hügelig, mit etlichen kleinen Tümpeln, Sümpfen und kleinen Bächen / Rinnsalen. Gerne würden wir noch einen Elch sehen, mit einem schönen Geweih. So suchten wir schon bald die Ufer dieser Tümpel ab. Bis jetzt noch nichts...


Der Mount Moran ziegt sich bei schönstem Wetter.

Weiter gings nun zu Fuss. Wir wanderten rund fünf Stunden durch diese traumvolle Landschaft! Naja, ich schwärme in diesem Tagebuch wohl oft von Natur und Landschaft und manch einer meint sicherlich l langsam, ich sei leicht zu beeindrucken....schon wieder diese Schwärmerei.... Blauer Himmel mit weissen Wölkchen, die Weitsicht bietet Grossartiges mit den kantig - markanten, Schneebergen des Grand Teton Nationalparks, dunkelgrüne Tannenwälder, Espen mit gelben Blättern - dazwischen der blaue Himmel...welch ein Kontrast! ...Diese hängen an leuchtend-weissen Ästen / Stämmen, dunkle Tümpel, welche scheinbar windstill hier liegen, so dass sich diese traumhafte Umgebung an der Wasseroberfläche im Spiegelbild erneut zeigt.... *schwärm*


Ein Flussotter machte einige extra Runden, um fotografiert zu werden.

Nun waren wir losgelaufen und schon der erste Tümpel liess uns inne halten. Ein paar Entchen schwammen zwischen den verblühten Seerosenpflanzen, kleine Wellen schlugen diese. Thomas sichtete am Ende dieses Tümpels einen grösseren Wellengang, welcher definitiv nicht einem Entchen zuzuschreiben war! Nicht lange mussten wir warten und so zeigte sich ein River Otter! Mit der Nase himmelwärts gestreckt schwamm dieser leichtgleitend im Tümpel hin und her.


Am Christian Pond.


Blick auf den Two Ocean Lake.

Zwischendurch tauchte er elegant ab, durchbrach die Wasseroberfläche und liess uns nicht unwissend, wo er gerade war. Nur wenig unter der Wasseroberfläche musste er sich fortbewegt haben, so dass wir eine feine Spur seiner Schwimmrichtung sahen und wussten, wo zu rechnen war, wenn er wieder auftauchte.


Für einmal wurden wir ohne Velos fotografiert.

Die Wanderung führte uns durch wundervolle Natur. Einige Vögel hörten wir singen / sahen wir ...aber trotz der Bärenwarnung sichteten wir hier heute Keinen. Wir geniessen noch immer das Zusammentreffen von gestern! ;-) Nach vier Stunden wandern, verdunkelte sich der Himmel und ich war mir sicher, im Regen den letzten Bitzen wandern zu dürfen. Da wir aber die entgegengesetzte Richtung des Windes hatten, trifteten die grauen Wolken weiter weg und wir standen am Ende unserer Route beinahe unter blauem Himmel.

Die Velos gefasst, machten wir uns auf, heimwärts zum Camper. Unterwegs ein kurzer Halt, wo wir auch gestern Elchkuh und ihr Junges sichteten....Die Menschenmenge liess uns schon von Weitem erahnen, was zu sehen ist. Genau! Dort lagen die Beiden wieder, hatten ihren Blick beinahe zu uns gerichtet und liessen sich auf der anderen Seite des Tümpels liegend nicht stören. Die Lichtverhältnisse waren nun nicht mehr so gut. Doch wir werden noch einige Tage in dieser Gegend verweilen, so dass wir, wer-weiss, nochmals mit Elchen das Vergnügen haben?!

 

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24. September 2006

Wir werden immer wieder gefragt, ob das nicht gefährlich sei, in diesen Nationalparks mit so vielen wilden Tieren zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs zu sein. Für die meisten Leute sicherlich nicht, da sie das Auto kaum für weiter als zehn Meter verlassen. Aber auf unseren Wanderungen befassen wir uns natürlich auch mit dieser Frage. Gestern haben wir uns ein Heftli gekauft, dass diese Frage behandelt. Da uns die Ergebnisse überrascht haben, erlauben wir uns die Rangliste der häufigsten Todesursachen auf Wanderungen in Nordamerika hier wiederzugeben: 1. Abstürze; 2. Ertrinken (vor allem beim Wandern über gefrorene Seen/Flüsse); 3. Herzinfarkt; 4. Erfrieren; 5. Hitze; 6. Blitzschlag; 7. Lawinen; 8. Selbstmord; 9. Sturzfluten; 10. Insektenstiche (Moskitos); 11. Schlangen- und Spinnenbisse; 12. Raubtiere (Alligatoren, Berglöwen, Bären).


Zuerst sämtliche Konkurrenten vertreiben...

Noch etwas zu den Bären: In ganz Nordamerika gibt es pro Jahr rund je zwei tödliche Unfälle mit Schwarzbären oder Grizzlys, wobei seit dem Jahr 2000 keine Wanderer mehr getötet worden sind. Dafür aber Fotografen, aber wiederum keine Krankenschwestern oder Informatiker. Spass beiseite! Uns genügt es, wenn wir auf unseren Wanderungen ab und zu ein wildes Tier sehen. Aber wir versuchen direkte Konfrontationen so weit wie möglich zu verhindern und halten uns möglichst an den folgenden Ratschlag: "When hiking in bear-country, let out your best yodel as often as every 10 seconds!". Die Fotografen verhalten sich hier jeweils anders. Die schauen, dass wenn es brenzlig wird, sich immer jemand in der Nähe befindet, wer weniger schnell rennt.


... dann abklären wo das nächste Weibchen ist ...

Aber wenn die Tiere wissen, dass jemand da ist oder kommt, und man nicht direkt auf die Tiere zugeht, lassen sie einem in Ruhe und gehen den Menschen aus weg.

Aber natürllich gibt es auch Ausnahmen. So wie der Otter von gestern, der alles unternahm um fotografiert zu werden und dabei beim Schwimmen auch immer freundlich in die Kamera lächelte.


... und los geht's!

Oder so wie heute morgen, als ich mich vor Sonnenaufgang auf einen Hügel setzten und aus grosser Entfernung frierend zusah, wie in der Ebene unter mir ein mächtiger Elchbulle zwei junge Herausforderer in die Schranken wies. Nachdem die Jünglinge die Übermacht anerkannten, passierte lange nichts mehr und ich wollte mich gerade auf den Weg zurück zum Campingplatz machen, als der alte Bulle sein unübersehbares Riechorgan für gut eine Minute in die Luft hielt und sich dann schnurstracks auf mich zubegab.

Wie sich später herausstellte, lag dies nicht daran, dass ich meine Morgentoilette noch nicht erledigt hatte, sondern daran, dass sich hinter dem Hügel, auf welchem ich mich befindete, eine Elchkuh weidete. Und der schnellste Weg zu ihr führte nun einmal fünf Meter an meinem Sitzplatz vorbei. Da fiel mir das Herz schon kurz in die Hosen. Da ich aber ruhig stehen blieb und keine Anstalten unternahm, ihm seine neue Liebschaft streitig zu machen, wich er nicht vom Weg ab und lies mich links sitzen. Und ich konnte nun Karins Frage, ob ein Elch fast so gross wie ein Pferd sei, beantworten (Er war sicher grösser als ein Pferd)!


Auch ich habe mir einen Kopfschmuck angeschafft!

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25. September 2006

Was, schon Morgen?! Thomas und ich haben abgemacht, heute Morgen früh Wildtiere zu fotographieren und beobachten. Ich kämpfte die ganze Nacht über mit Eiswürfeln an meinen Beinen - kalte Füsse, die sich nicht erwärmen liessen.


Die Teton Range im Morgennebel.

Es geht dann doch los, jeder der den gestrigen Bericht gelesen hat, ist doch bestimmt "gwunderig" was einem da erwartet, was zu sehen ist...und so ging's auch mir. So fuhren wir sofort wieder zur derselben Stelle, wo Thomas seine gestrigen eindrückichen Erlebnisse machen durfte. Doch es ging weniger spektakulär als gestern vonstatten. Wir sahen eine Elchkuh mit ihrem Jungen die genüsslich an einem Strauch knabberten und den Elchen, der weit weg durch die Büsche zog. Thomas und ich starteten einen Versuch durchs Gebüsch. Erst ind diesem Moment stellten wir fest, wie hoch diese Büsche überhaupt sind, und dass sich hier überall und irgendwo Getier verstecken kann, so dass es leicht unbemerkt bleibt. Der Streifzug blieb dann erfolglos. Nebst ein etlichen Spuren von "Fussabdrücken" und "Häufelchen" blieb uns Lebendiges enthalten.


Die Teton Range vom Jackson Lake ausgesehen.

So parkierten wir unseren Camper auf einem Turnout - einer Raststelle - und hatten so beim Frühstück eine wunderbare Aussicht wie noch an keinem Morgen - auf die riesige Weite mit den unendlich vielen Büschen und ganz im Hintergrund die Teton Range - eine Schneebergkette, deren Spitzen von der Sonne nun beleuchtet wurden.


Die Teton Range vom Jackson Damm aus gesehen.

Am Nachmittag machten wir einen kleinen Abstecher mit unseren Velos zum Wetland. Ein Bach mit vielen Verzweigungen, Moor, Steppe,... Dorthin führte uns eine Schotterpiste. Ich sollte bereits nach fünf minütiger Fahrt auf die Toilette, was die Wirkung dieser holperigen "Strasse" war. Neues Mittel gegen Harnverhalt?! ;-) Die Fahrt über all die "Chempen" machte sich aber ausbezahlt. Uns erwarteten bei blauem Himmel leuchtende Espen und danach ein Abstecher zum Jackson River, bei dem wir wohl noch lange hätten verweilen können. So unberührt aber wohl voll belebt von der Tierwelt. Auch hier sahen wir zahlreiche Spuren - unter anderem wieder mal Fussabdrücke von einem Grizzly - Bären!


Weiden im Flussbett des Jackson Lake.

Nun, es wurde langsam aber sicher Abend - Zeit, dass ich mich in die Küche stelle! ;-) Nach dem Eintrag vom 21.9. von Thomas fühle ich mich natürlich sehr geschmeichelt und versuche nun wieder etwas feines auf den Tisch zu bringen. Den liebsten Menschen auf Erden bekoche ich doch gerne! :-)

Morgen füh wollen wir nochmals Richtung Wetland pedalen und erhoffen uns dort einige Wildtiere zu sehen! Diese Nacht nehme ich eine Bettflasche in den Schlafsack - ja, diesen Luxus gönne ich mir! So kann ich morgen mit dem Programm mithalten und nach der Velofahrt über die Schotterpiste bin ich spätestens und garantiert wach!

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26.-28. September 2006

Über die nächsten drei Tage gibt es nichts viel neues zu erzählen: blauer Himmel, immer wie farbiger werdende Bäume und Sträucher, unzählige brünftige Hirsche und Elche in den Morgenstunden... Wir waren mal zu Fuss mal mit dem Velo unterwegs. Wir wollen Euch nicht langweilen mit den gleichen Geschichten und erzählen gerne wieder mehr, wenn es neues, Interessantes gibt!

Der Snake River am Oxbow Bend.


The Moulton Barn.

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